Die Steiermark braucht mehr Energie, aber woher?

Energie ist eine zentrale Grundlage für Wirtschaft, Industrie und gesellschaftliches Leben. Gleichzeitig steht die Steiermark vor der Aufgabe, ihren Energiebedarf auch in Zukunft verlässlich, leistbar und zunehmend aus erneuerbaren Quellen zu decken. Eine gemeinsame Broschüre von Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer und dem österreichischen Gewerkschaftsbund zeigt, wo bis 2030 angesetzt werden soll und welche Weichen jetzt gestellt werden müssen.

Zuletzt aktualisiert am 27.08.2026, 11:00

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Mehr erneuerbare Energie – und gleichzeitig mehr Bedarf

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Energieversorgung der Steiermark lag 2024 bei 40,8 Prozent und erreichte damit einen bisherigen Höchststand. Gleichzeitig stammen rund 60 Prozent der eingesetzten Energie weiterhin aus Importen, insbesondere aus Erdöl, Erdgas und Kohle.

Die Energiewende bringt dabei eine weitere Herausforderung mit sich: Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und industriellen Prozessen steigt auch der Bedarf an Strom. Bis 2040 wird eine Verdopplung des Strombedarfs auf rund 20 TWh erwartet. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie ausreichend Erzeugungskapazitäten geschaffen und gleichzeitig die notwendige Infrastruktur entwickelt werden kann.

Ausbau erneuerbarer Energien bis 2030

Um den wachsenden Bedarf abzudecken, soll die erneuerbare Energieerzeugung in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Für ausgewählte Energieträger werden bis 2030 folgende zusätzliche Erzeugungsmengen angestrebt:

  • Photovoltaik: +1,3 TWh
  • Windkraft: +1,5 TWh
  • Wasserkraft: +0,4 TWh
  • Bioenergie: Potenzial von 5 TWh für thermische und elektrische Nutzung

Welche Größenordnungen dahinterstehen, zeigt ein Blick auf die Stromerzeugung: 1 TWh entspricht beispielsweise rund 80 Windkraftanlagen mit 6 MW Leistung, etwa 10 km² Photovoltaik-Fläche oder rund 10 Laufwasserkraftwerken mit jeweils 20 MW.

Der Ausbau der Erzeugung allein reicht jedoch nicht aus. Wenn künftig mehr Strom produziert und gleichzeitig mehr Strom verbraucht wird, müssen auch die Netze und Speicher mitwachsen.

Erzeugung, Netze und Speicher gemeinsam denken

Die Broschüre rückt deshalb mehrere Bereiche in den Mittelpunkt. Neben dem Ausbau der regionalen erneuerbaren Energieerzeugung geht es insbesondere um eine bedarfsgerechte Erweiterung und Ertüchtigung der Netzinfrastruktur. Auch Speichertechnologien gewinnen an Bedeutung – von Batterien und Pumpspeichern bis hin zu Wasserstoff.

Eine weitere Rolle spielt die Digitalisierung. Smart Grids, Lastmanagement und Sektorkopplung sollen dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen und vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen.

Gleichzeitig wird Erdgas für die Übergangsphase weiterhin als notwendig angesehen, um die Energieversorgung abzusichern.

Welche Weichen jetzt gestellt werden sollen

Aus Sicht der Sozialpartner und der Industriellenvereinigung braucht es dafür klare Rahmenbedingungen. Im Mittelpunkt steht zunächst ein Bekenntnis zum Produktionsstandort Steiermark. Erzeugung, Netze und Speicher sollen gesamthaft ausgebaut werden. Dabei werden auch Infrastrukturen wie CO₂-Netze und Fernkälte berücksichtigt.

Damit ausreichend Flächen für den Ausbau zur Verfügung stehen, wird zudem eine Ausweitung von Wind- und Photovoltaik-Vorrangzonen sowie der Einsatz von Sonderstandortverordnungen gefordert. Eine zentrale Koordinierungsstelle für Energie beim Land Steiermark soll die verschiedenen Bereiche besser zusammenführen.

Auch über die Landesgrenzen hinaus braucht es entsprechende Infrastruktur: Das Papier spricht sich für eine Anbindung der Steiermark an internationale Wasserstoffkorridore aus. Gleichzeitig sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, um notwendige Energieprojekte rascher umsetzen zu können.

Energieversorgung als Standortfrage

Die Energiezukunft ist damit nicht nur eine Frage des Energiesektors. Für einen wettbewerbsfähigen Wirtschafts- und Industriestandort sind ausreichende Kapazitäten, leistungsfähige Netze und eine verlässliche Versorgung entscheidend.

Auch bei einer erfolgreichen Umsetzung der Ausbauziele werden laut den beteiligten Organisationen Lücken in der heimischen Energieversorgung bestehen bleiben. Umso wichtiger sei es, die Versorgungssicherheit und Leistbarkeit langfristig abzusichern und gleichzeitig regionale Wertschöpfung zu stärken.

Das gemeinsame Papier wurde von Wirtschaftskammer Steiermark, Landwirtschaftskammer Steiermark, Arbeiterkammer Steiermark, ÖGB Steiermark und Industriellenvereinigung Steiermark getragen.

Quellen: Energiebroschüre der steirischen Sozialpartner und IV Steiermark, Juni 2026; Energiebericht Steiermark 2025; Masterplan Grüne Energie 2.0; Klima- und Energiestrategie 2030 plus.