Die unternehmerische Schule – ein Mehrwert für Jugendliche, Wirtschaftsstandort und Gesellschaft
Wie lernen Jugendliche Verantwortung, wirtschaftliches Denken und Innovationskraft wirklich? Nicht allein durch Lehrbücher, sondern durch eigenes Handeln. Junior Companies ermöglichen jungen Menschen, Unternehmen auf Zeit zu gründen und Wirtschaft hautnah zu erleben. Dabei entstehen Kompetenzen, die weit über die Schulzeit hinauswirken, und für Unternehmen, Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Zuletzt aktualisiert am 10.06.2026, 12:55
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Wenn Unterricht plötzlich Realität wird!
Die Präsentation beginnt in wenigen Minuten. Die Schüler:innen diskutieren noch schnell den Verkaufspreis, kontrollieren ihre Abrechnung und überlegen, wie sie Kund:innen überzeugen können, etwas zu kaufen. Andere koordinieren den Messestand, bereiten ihre Pitches vor oder beantworten letzte Fragen von Kund:innen.
Was wie ein junges Start-up wirkt, ist in Wahrheit Unterricht.
Genau das macht den besonderen Wert von Junior Companies aus: Jugendliche lernen Wirtschaft nicht nur theoretisch kennen – sie erleben Verantwortung, Teamarbeit, Entscheidungsdruck und Erfolg unmittelbar.
Viele Teilnehmer:innen berichten später, dass sie hier zum ersten Mal erlebt haben,
- wie es ist, Verantwortung für ein Team zu übernehmen,
- mit Unsicherheit umzugehen,
- vor Menschen zu präsentieren,
- Probleme selbstständig zu lösen,
- Konflikte auszuhalten,
- oder aus einer Idee tatsächlich ein Produkt entstehen zu lassen.
Diese Erfahrungen wirken weit über die Schulzeit hinaus. Denn die Kompetenzen, die dabei entstehen, werden heute in nahezu allen Berufsfeldern gebraucht – nicht nur von Unternehmer:innen, sondern auch innerhalb bestehender Unternehmen. International spricht man dabei zunehmend von „Intrapreneurship“: Menschen, die innerhalb von Organisationen unternehmerisch denken, Innovationen vorantreiben, Verantwortung übernehmen und Veränderungen aktiv mitgestalten.
Neue Anforderungen brauchen neue Lernformen
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Unternehmen suchen heute nicht nur Fachwissen, sondern Menschen, die eigenständig denken, Verantwortung übernehmen, Ideen entwickeln und auch in unsicheren Situationen handlungsfähig bleiben. Fachwissen wird künftig zunehmend auch digital verfügbar sein. Was jedoch weder Algorithmen noch Künstliche Intelligenz ersetzen können, ist Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen, Menschen zu führen oder mit Unsicherheit umzugehen. Genau diese Fähigkeiten müssen junge Menschen heute lernen – am besten durch eigenes Erleben. Verantwortung, Kreativität und Innovation entstehen nicht allein durch Lehrbücher oder Vorträge. Sie müssen ausprobiert, reflektiert und erlebt werden. Genau hier setzt Entrepreneurship Education an. Die Ursprünge dieses Bildungsansatzes reichen mehr als hundert Jahre zurück. Bereits 1919 wurden an der Harvard University erste Entrepreneurship-Kurse angeboten. Heute gilt Entrepreneurship Education international als wichtiger Bestandteil moderner Bildungssysteme. Auch die Europäische Union betont seit Jahren die Bedeutung unternehmerischer Kompetenzen als zentrale Zukunftskompetenz für Innovation, Beschäftigungsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Die Steiermark zeigt seit Jahrzehnten, was möglich ist
Auch in Österreich wird die Bedeutung zunehmend erkannt. Entrepreneurship Education ist mittlerweile als übergreifendes Thema in Lehrplänen verankert. Die Steiermark nimmt dabei seit vielen Jahren eine besondere Rolle ein. Das Junior Programm wird hier von der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft (STVG) umgesetzt und seit Jahrzehnten von der Wirtschaftskammer Steiermark sowie der Industriellenvereinigung Steiermark unterstützt. Vor rund 30 Jahren wurde das Programm in die Steiermark geholt. Seither haben tausende Jugendliche erste Erfahrungen mit unternehmerischem Denken, Verantwortung und wirtschaftlichem Handeln gesammelt. Besonders bemerkenswert ist dabei die Breite des Ansatzes: Entrepreneurship Education beginnt heute nicht erst in höheren Schulen. Bereits in der Volksschule können Kinder spielerisch Kreativität, Eigeninitiative und Problemlösung entwickeln. In der Sekundarstufe I wird dies durch projektorientiertes Lernen vertieft, bevor Jugendliche in der Sekundarstufe II in Junior Companies reale Unternehmen auf Zeit gründen und führen. Damit entsteht ein durchgängiger Kompetenzaufbau – von der Volksschule bis zur Sekundarstufe II.
Unternehmerisches Denken ist eine Lebenskompetenz
Entrepreneurship Education wird häufig nur mit Unternehmensgründung verbunden. Tatsächlich geht es jedoch um weit mehr. Es geht darum,
- Chancen zu erkennen,
- Probleme lösungsorientiert anzugehen,
- Verantwortung zu übernehmen,
- wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen,
- Entscheidungen treffen zu können,
- kreativ und eigenständig zu handeln.
Diese Kompetenzen werden in nahezu allen Berufsfeldern wichtiger, unabhängig davon, ob Jugendliche später gründen, in Unternehmen arbeiten oder Führungsaufgaben übernehmen. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, Digitalisierung und wirtschaftlicher Transformation gewinnen solche Fähigkeiten zusätzlich an Bedeutung.
Junior Companies: Wirtschaft erleben statt nur darüber sprechen
Wie wirksam praxisorientierte Wirtschaftsbildung sein kann, zeigen Junior Companies besonders eindrucksvoll. Schüler:innen gründen reale Unternehmen auf Zeit, entwickeln Produkte oder Dienstleistungen, organisieren Marketing und Vertrieb, kalkulieren Preise und treffen wirtschaftliche Entscheidungen. Der entscheidende Unterschied zum klassischen Unterricht: Hier wird Wirtschaft nicht nur erklärt, sondern erlebt.
Jugendliche übernehmen Verantwortung für echte Prozesse und sammeln Erfahrungen, die im regulären Unterricht oft nur schwer vermittelbar sind:
- Teamarbeit unter realen Bedingungen
- Umgang mit Unsicherheit und Risiken
- Kundenorientierung
- Präsentations- und Kommunikationsfähigkeit
- wirtschaftliches Denken und Handeln
- Reflexion von Erfolg und Scheitern
Internationale Studien zeigen die Wirkung solcher Formate deutlich:
- Teilnehmer:innen von Junior-Achievement-Programmen gründen später häufiger Unternehmen.
- Sie weisen geringere Arbeitslosigkeitsquoten auf.
- Viele übernehmen später Führungsaufgaben.
- Gleichzeitig steigen Selbstwirksamkeit und finanzielle Kompetenzen.
Junior Achievement Europe verweist darauf, dass ehemalige Teilnehmer:innen eine deutlich höhere unternehmerische Aktivität zeigen als Vergleichsgruppen.
Die Wirkung ist messbar
In der Steiermark wird das Junior Programm von der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft (STVG) mit großer Resonanz umgesetzt.
Im Schuljahr 2025/26:
- gründeten 903 Schüler:innen eine Junior Company,
- entstanden 83 Unternehmen an 38 Schulen,
- begleiteten 65 Pädagog:innen und 83 Mentor:innen aus der Wirtschaft die Teams.
Diese Zahlen zeigen vor allem eines: Jugendliche wollen gestalten, Verantwortung übernehmen und eigene Ideen umsetzen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Gleichzeitig entstehen wertvolle Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft. Unternehmen erhalten Einblicke in die Denkweisen junger Menschen, Schulen profitieren von Praxisnähe und Jugendliche erleben wirtschaftliche Zusammenhänge unmittelbar.
Entrepreneurship Education stärkt auch den Wirtschaftsstandort
Programme wie Junior Companies leisten weit mehr als reine Berufsorientierung. Sie fördern Kompetenzen, die für innovative Wirtschaftsstandorte zentral sind:
- Eigeninitiative
- Problemlösungskompetenz
- Innovationsfähigkeit
- Verantwortungsbewusstsein
- wirtschaftliches Verständnis
- Kommunikations- und Teamfähigkeit
Damit entsteht ein direkter Mehrwert, nicht nur für einzelne Jugendliche, sondern auch für Unternehmen und Regionen. Gerade exportorientierte Wirtschaftsstandorte wie die Steiermark sind langfristig darauf angewiesen, dass junge Menschen Gestaltungskompetenz, Innovationsfähigkeit und unternehmerisches Denken entwickeln.
Vom Einzelprojekt zur Bildungsstrategie
So erfolgreich Programme wie Junior Companies sind: Sie dürfen keine Ausnahme bleiben. Noch immer hängen viele Initiativen von engagierten Einzelpersonen, Schulen oder zeitlich begrenzten Projekten ab. Wenn unternehmerisches Lernen nachhaltig wirken soll, braucht es:
- eine stärkere strukturelle Verankerung von Wirtschafts- und Entrepreneurship Education,
- mehr praxisnahe Lernformate,
- frühzeitige Förderung bereits in niedrigeren Schulstufen,
- verbindliche Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft,
- ausreichend Ressourcen und Unterstützung für Schulen.
Die stärkere Verankerung von Wirtschaftsbildung und Berufsorientierung im österreichischen Bildungssystem ist dabei ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird jedoch sein, dass wirtschaftliches Lernen nicht nur theoretisch vermittelt wird. Jugendliche brauchen reale Erfahrungen, Eigenverantwortung und die Möglichkeit, Ideen praktisch umzusetzen.
Conclusio
Viele Schulen in der Steiermark, allgemeinbildende wie berufsbildende, haben diese Chancen bereits erkannt und setzen Entrepreneurship Education mit großem Engagement um.
Die Erfolge, österreichweit und europäisch – sprechen für sich: Steirische Junior Company Teams haben in den vergangenen 3 Jahren sowohl 1. als auch 2. Plätze in europäischen Wettbewerben, unter 45 Teilnehmern erreicht. Das ist ein Erfolg engagierter Jugendlicher, aber ebenso ein Verdienst jener Lehrpersonen, die solche Projekte an Schulen ermöglichen, begleiten und fördern. Ihnen gilt besonderer Dank. Die Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft hat dieses Programm vor rund 30 Jahren in die Steiermark geholt. Daraus ist vieles entstanden und es kann noch mehr werden.
Der „unternehmerische Spirit“ inspiriert junge Menschen in begeisternder Weise – er soll in weiterer Folge auch Schulen und das Bildungssystem insgesamt beflügeln!

