Gastbeitrag

Wer gehört zu den Gewinnern im Wettbewerb um die steirischen Jugendlichen?

Am Wirtschaftsstandort Steiermark verschärft sich ein Wettbewerb, der über den Unternehmenserfolg und über die Zukunft der Steiermark entscheiden wird: der Wettbewerb um Lehrlinge, junge Facharbeiter und innovative Unternehmensgründer.

Zuletzt aktualisiert am 02.08.2022, 13:07

Vier Jugendliche stehen in einer Gruppe zusammen und machen ein Selbstporträt mit dem Handy. Die Jugendlichen sind trotz anhaltender Krise positiv gestimmt. (© stock.adobe.com/yanlev)

Hilfe, wir verlieren unsere Jugend!

Längst hallt ein lauter Rumor durch Büros und Werkshallen steirischer Unternehmen: „Wir kriegen kaum noch Lehrlinge oder junge Facharbeiter:innen für unseren Betrieb! Wie können wir die Jugendlichen für unser Unternehmen begeistern?“ Im medialen Diskurs ertönen immer öfter Hilferufe, die vor dem (teilweisen) Verlust der jungen Generation aus Bildungs- und Arbeitsmärkten, aus Unternehmen, Vereinen und Gemeinden eindringlich warnen. Doch Lamentieren und Raunzen führen uns freilich nicht heraus aus der Malaise, die Jugendlichen nicht mehr ausreichend einbinden zu können. Wer daher unsere Steiermark und die steirischen Unternehmen mit den Steirermadln und Steirerbuam innovativ weiterentwickeln will, der muss die Lebenswelten unserer Jugendlichen im intergenerativen Dialog erkunden.

Steirische Jugendstudie als Kompass und Steuerungsinstrument für Unternehmen

Wer seine vermeintliche Jugendkompetenz mit dem Hinweis „Ich war schließlich selbst einmal jung“ als ausreichend erachtet, der wird den Wettbewerb um die hellsten jungen Köpfe vermutlich verlieren. Die 6. Steirische Jugendstudie 2021 [1] liefert hingegen ein brauchbares Kompass- und Steuerungsinstrument für die Personal- und Strategieentwicklung, damit junge Steirerinnen und Steirer an Bord Ihres Unternehmens anheuern werden! Motto: Die präzise Kenntnis jugendlicher Lebenswelten errichtet Brücken und Tore, um engagierte Jugendliche als Lehrlinge, Facharbeiter:innen oder junge Gründer:innen zu gewinnen!

Wir haben 1.949 steirische Jugendliche aller Schultypen und in allen Planungsregionen der Steiermark befragt und die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet: [2] Auf dieser breiten Datenbasis bieten wir steirischen Führungskräften eine hilfreiche und aktuelle Basis für Entwicklungsprozesse im Unternehmen.

Trotz Krisen herrscht ungebrochener Optimismus!

Der Begriff der „Krise“ ist längst zur universellen Etikettierung weltweiter Entwicklungen geworden: von der Flüchtlingskrise über die Klimakrise bis zur fairen Verteilung von Ressourcen innerhalb der über 7 Milliarden Menschen zählenden „Dorfgemeinschaft des global village“. Während viele Erwachsenen auf diese Krisen oftmals mit psychosozialen Erkrankungen reagieren, erweist sich ein Großteil der steirischen Jugendlichen als erstaunlich krisenfest und resilient, was ihre persönlichen Zukunftsbilder spiegeln.

Jugend von heute schaut positiv in die eigene Zukunft

Die befragten Jugendlichen schauen der persönlichen Zukunft sehr bis eher zuversichtlich entgegen. Trotz der Covid-19-Pandemie in den beiden vergangenen Jahren, blicken 9 von 10 Jugendlichen mit Optimismus in die Zukunft.

Zuversicht hoch bei Erfüllung der beruflichen Wünsche

Rund acht von zehn Jugendlichen haben angegeben, dass sie sehr bis eher zuversichtlich sind, dass ihr beruflicher Wunsch in Erfüllung gehen wird. Für zwei von zehn Jugendlichen muss noch etwas getan werden, denn sie glauben wenig bis überhaupt nicht daran, dass ihr Berufswunsch in Erfüllung gehen kann.

Lebensbedingungen: In der Steiermark lebt es sich gut!

Mehr als drei Viertel der steirischen Jugendlichen bestätigt, dass ihre Lebensbedingungen sehr gut oder gut sind. Trotzdem bleiben fast zwei von zehn Jugendlichen über, die ihre Lebensbedingungen nur als mittelmäßig oder schlecht beurteilen.

Europa im Steigflug bei den Jugendlichen

Fast acht von zehn Jugendlichen schätzen ihre Chancen in der Europäischen Union als zuversichtlich ein. Zudem gaben sieben von zehn Jugendlichen an, sich als EuropäerIn zu fühlen, nicht nur als Österreicher:in oder Steirer:in. Tendenz seit unserer Jugendstudie 2014 stark steigend.

Positives Denken dominiert bei Lebensplanung

Fast zwei Drittel der befragten Jugendlichen glauben, dass ihr Leben in zehn Jahren besser sein wird, als es momentan ist. Das bedeutet, dass die Zukunftsaussichten durchaus optimistisch sind. Ein Drittel der Jugendlichen ist davon überzeugt, dass es sich nicht ändern wird. Nur jeder 20. Jugendliche denkt, dass sich das Leben in zehn Jahren verschlechtern wird.

Pragmatismus mit sozialer Nahraumorientierung und optimistischen Zukunftsbildern

Unser Resümee unserer bisherigen sechs Jugendstudien wollen wir über alle erhobenen Themen betrachtet beibehalten und ergänzen: Die steirischen Jugendlichen leben mehrheitlich weiterhin im pragmatischen High-Tech-Biedermeier mit sozialer Nahraumorientierung, vertreten durchwegs positive prosoziale Werthaltungen. Trotz Covid-19 überraschten uns die ungebrochen positiven persönlichen Zukunftsbilder der Jugendlichen bei gleichzeitig mitunter skeptischen Einschätzungen zum Klima- und Umweltschutz wie auch zur Entwicklung unserer Gesellschaft. Diese pragmatische, prosoziale Haltung der steirischen Jugendlichen, die zudem von Zuversicht und Optimismus geprägt ist, repräsentiert eine wertvolle mentale Ressource für Unternehmen, Gemeinden, Vereine und für die Zukunft der Steiermark.

Jugendliche zwischen 2007 und 2021: mehr Kontinuität als Zäsur!

Wie immer ist ein schlagwortartiges Resümee eine verknappte Zuspitzung, die der Differenzierung bedarf, die in der Langfassung der Studie nachzulesen ist. Im Zeitvergleich über eine Dekade hinweg herrscht bei vielen abgefragten Themen mehr Kontinuität als Zäsur. Die seit 2007 erhobenen prosozialen Werthaltungen repräsentieren diese Kontinuität ebenso wie die längst untrennbar zur Lebenswelt von Jugendlichen gehörende multifunktionale Nutzung von Internet und Social Media, die seit 2007 konstant niedrige Rate von Gewalt von Erwachsenen gegenüber Jugendlichen, das über die Jahre auf gut 70 Prozent Zustimmung gestiegene „Europagefühl“ der steirischen Jugend oder die Bereitschaft, anderen Menschen Hilfe und Unterstützung angedeihen zu lassen.

Zuversicht, Optimismus und Resilienz führen zum Erfolg!

Steirische Unternehmer:innen wissen es: Überzeugte und überzeugende Zuversicht, gelebter und begründbarer Optimismus sowie ein felsenfester Resilienzsinn bilden die Grundimprägnierung der individuellen und gemeinschaftlich geteilten Mindsets in den Unternehmen. Diese zentrale Ressource finden wir bei den Steirermadln und Steirerbuam. Höchste Zeit, diese zu nutzen, weiterzuentwickeln und daraus einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen!


Anhang: Beratungsangebot für steirische Unternehmen

„Wer gewinnt den Wettbewerb um unsere steirischen Jugendlichen?“

  • Einzel- und Kleingruppenberatung oder Coaching zu ihren speziellen jugendbezogenen Fragen und Themen
    kostenloses Auftragsgespräch zur maßgeschneiderten Angebotsentwicklung
    Stundensatz Euro 120,– (inkl. 10% Mst.)
  • Mag. Christian Ehetreiber, 0664/311 49 54 oder christian.ehetreiber@argejugend.at

Mag. Christian Ehetreiber, geb. am 6.5.1963, ist seit 1998 GF-Obmann der überparteilichen ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, seit 2007 Mitglied im Grazer Menschenrechtsbeirat und seit 1997 selbstständiger Berater für Marketing, Projektmanagement und Innovation. Er zeichnet für bislang sechs Steirische Jugendstudien verantwortlich, bei der 5. und 6. Steirischen Jugendstudie 2017 und 2021 in Zusammenarbeit mit Mag. Thomas Lederer Hutsteiner, Firma x-sample Sozialforschung, Marktforschung, Evaluation

[1] Die 6. Steirische Jugendstudie ist ein Gemeinschaftsprojekt der überparteilichen ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus in Zusammenarbeit und mit Kofinanzierung der Abteilung für Bildung und Gesellschaft des Landes Steiermark, des Jugendressorts der Stadt Graz, der AK Steiermark und der WKO Steiermark. Seit der 1. Steirischen Jugendstudie unterstützt uns die Bildungsdirektion Steiermark bei der Ermöglichung der Datenerhebung an den steirischen Schulen aller Schultypen.

Link zur 6. Steirischen Jugendstudie: https://issuu.com/arge_jugend/docs/6_steirische_jugendstudie_2021_einleitung_und_summ

[2] Die Jugendlichen gaben zu folgenden Themen Auskunft:

  • Einschätzung von Zukunftsperspektiven und Lebensbedingungen
  • Politisches Verständnis und soziales Engagement
  • Erfahrungen von Gewalt und Rassismus
  • Bilder von Flucht, Migration und Integration
  • Meinungen über Ausbildung und Lehre
  • Einschätzung von Verantwortung, Selbstwirksamkeit und Autonomie
  • Klima- und Umweltschutz sowie nachhaltige Entwicklung
  • Aktuelle Themen des Jugendschutzes