Studie

Wirtschaftsbarometer: Belastungsprobe für die steirische Konjunktur

Der neuerliche Lockdown hat die wirtschaftliche Erholung in der Steiermark jäh gestoppt. Eine aktuelle Analyse des Instituts für Wirtschaft- und Standortentwicklung beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden für unser Bundesland mit bis zu 100 Millionen Euro pro Woche.

Zuletzt aktualisiert am 05.01.2022, 16:10

Zwei Personen arbeiten mit Roboterarmen an einem Werkstück. © dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss

Neben Arbeitskräftemangel, Lieferketten- und Logistikproblemen belastet nun auch ein neuerlicher Lockdown die Konjunktur der Steiermark!

Die steirische Wirtschaft ist 2021 wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt und hat sich erstaunlich rasch von den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erholt. Im Jahresverlauf haben allerdings die Belastungsfaktoren zugenommen: Lieferketten- und Logistikprobleme, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie ein akuter Mangel an Arbeits- und Fachkräften stellen die Unternehmen in der Steiermark vor große Herausforderungen. Nichtsdestotrotz erwies sich die Wirtschaft in der Steiermark im Herbst 2021 als stabil, der neuerliche Lockdown dämpft die Konjunkturaussichten nun jedoch deutlich, wie das Wirtschaftsbarometer zeigt. Die Dauer der Maßnahme und die Effizienz in der Bereitstellung entsprechender Wirtschaftshilfen werden darüber entscheiden, wie gut die Betriebe die pandemiebedingten Einschränkungen verkraften werden. Darüber hinaus müssen trotz der vierten Covid-19-Welle notwendige arbeitsmarkt- und bildungspolitische Maßnahmen in Angriff genommen werden.

Die Wirtschaft in der Steiermark stellte in den vergangenen Monaten ihre Krisenfestigkeit unter Beweis!

Dass die steirische Wirtschaft 2021 auf einen Wachstumspfad zurückgekehrt ist, zeigen auch die Salden zur bisherigen Geschäftstätigkeit im Wirtschaftsbarometer. Die Entwicklung in den vergangenen 12 Monaten verlief durchwegs positiv. Gesamtumsatz und Auftragslage haben sich im Saldo verbessert (Saldo bisher Gesamtumsatz: 37,7 Prozentpunkte; Auftragslage: 26,2 Prozentpunkte). Auch die Exportwirtschaft hat wieder an Dynamik gewonnen: 40,1 % der befragten Exportunternehmen konnten ihren Exportumsatz in den vergangenen Monaten steigern, in etwa ebenso viele rechneten im Herbst mit einer positiven Entwicklung der Außenwirtschaft im kommenden Jahr (Exportumsatz Saldo bisher: 20,3 Prozentpunkte; erwartet vor Lockdown: 31,3 Prozentpunkte). Sofern wichtige Handelspartner der Steiermark nicht ähnlich strenge oder sogar drastischere Eindämmungsmaßnahmen ergreifen, dürfte sich der Außenhandel im produzierenden Bereich als wesentliche Stütze für die weitere Konjunkturentwicklung erweisen.

Positive Investitionsdynamik dürfte unabhängig vom 4. Lockdown nachlassen!

Die vergangenen 12 Monate waren trotz Corona-Krise durch eine hohe Investitionsbereitschaft der steirischen Unternehmen gekennzeichnet: 38,9 % haben ihr Investitionsvolumen erhöht, 15,8 % haben dieses verringert (Saldo bisher: 23,2 Prozentpunkte). Dementsprechend ist unabhängig vom aktuellen Lockdown von einer nachlassenden Investitionsdynamik bzw. einer Verlangsamung des Expansionstempos auszugehen (Erwartungssaldo vor Lockdown: -0,4 Prozentpunkte).

Lieferkettenprobleme und steigende Energiepreise setzen die heimische Wirtschaft unter Druck!

Die steigende Nachfrage nach Energie, Rohstoffen und Vorleistungen sowie Probleme im Bereich der Lieferketten und Logistiksysteme haben die Preisdynamik 2021 beschleunigt. Aktuell haben viele betroffene steirische Unternehmen (77,4 %) keine andere Möglichkeit als die steigenden Preise von Rohstoffen und Vorleistungen an ihre Kunden weiterzugeben. Zudem wird versucht Lieferengpässe durch die Suche und Beauftragung neuer bzw. zusätzlicher Lieferanten abzumildern (62,4 % der betroffenen Betriebe). 47,5 % setzen zudem auf eine Erhöhung der Lagerhaltung. Mit Anpassungen im Personalbereich und dem Einsatz von alternativen Materialien reagieren 23,4 % bzw. 19,7 % der betroffenen Unternehmen. Eine Verlagerung des Produktionsstandortes ist überwiegend noch keine Option, diese kommt im Herbst 2021 für 2,4 % in Frage.

Der Arbeits- bzw. Fachkräftemangel wird zunehmend zum Flaschenhals für die Konjunktur in der Steiermark!

Mit der Erholung der Konjunktur wurde der Arbeits- bzw. Fachkräftemangel besonders akut. Vor dem vierten Lockdown sahen rund 80 % der befragten Betriebe im Arbeits- bzw. Fachkräftemangel die größte Herausforderung für 2022. Gesucht werden vor allem Personen mit einem Lehrabschluss (91,3 %), gefolgt von Hilfskräften (50,9 %) und Lehrlingen (40,2 %). Dieser Engpass führt nicht nur zu Überstunden auf Mitarbeiterseite (82,5 % der Betriebe mit Arbeits‑ bzw. Fachkräftemangel), sondern resultiert zunehmend auch in einer Nichtannahme von Aufträgen (67,4 %). Notwendige arbeitsmarkt- und bildungspolitische Reformen müssen daher trotz Pandemie in Angriff genommen werden, damit Arbeitskräfte nicht zum limitierenden Faktor für die Entwicklung der Wirtschaft in der Steiermark werden.

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