Neuer Halt, neue Chancen: Warum die Koralmbahn ohne Deregulierung ihr Potenzial nicht voll entfalten kann
Die neue Koralmbahn verbindet Graz, die Steiermark und Kärnten so schnell wie nie zuvor – und eröffnet enorme Chancen für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Regionen. Doch moderne Infrastruktur allein reicht nicht aus. Damit dieses Jahrhundertprojekt sein volles Potenzial entfalten kann, braucht es vor allem eines: weniger Bürokratie und mehr unternehmerischen Handlungsspielraum.
Zuletzt aktualisiert am 09.03.2026, 10:09
© ÖBB / Harald Eisenberger - Railjet auf der Koralmbahn
Eigenverantwortung ist eine zentrale Grundlage unternehmerischen Handelns.
Sie ermöglicht Innovation, Investitionen und setzt zweifellos die Bereitschaft voraus, Entscheidungen zu treffen und damit manchmal auch Risiken einzugehen. Für die Unternehmer:innen und Betriebe mag das die selbstverständlichste Sache sein, doch der unternehmerische Alltag zeigt mitunter einen gegenteiligen Trend: Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, gilt faktisch als verboten. Mitunter sind es sehr langdauernde Genehmigungsverfahren, Detailauflagen und komplexe Regelwerke, die den notwendigen Handlungsspielraum immer mehr einschränken und die Möglichkeiten der Unternehmen stark einbremsen.
Eine starke Bremse für Innovation, Entwicklung und dringend notwendiges wirtschaftliches Wachstum.
Bürokratie hat sich in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen verselbständigt. Sie wächst schleichend, greift in immer mehr Prozesse ein und blockiert am Ende genau das, was eigentlich gefördert werden sollte. Überregulierte Vorgaben – etwa im Bereich baulicher Details oder kleinteiliger Verordnungen – schaffen weder Planungssicherheit noch wirtschaftlichen Mehrwert. Stattdessen führen sie zu Verzögerungen, Mehrkosten und Frustration bei allen Beteiligten, nicht zuletzt auch innerhalb der Verwaltung selbst.
Gerade jetzt wäre ein Umdenken besonders wichtig. Mit der Koralmbahn eröffnet sich für Graz, die Steiermark und Kärnten eine historische Chance. Die neue Verbindung ist weit mehr als ein Infrastrukturprojekt: Sie bringt Menschen, Regionen und Wirtschaftsräume näher zusammen. Sie stärkt den Arbeitsmarkt, fördert Mobilität und schafft neue Perspektiven für Unternehmen, Fachkräfte, Studierende, Tourismus und Kultur. Historisch gewachsene Verbindungen zwischen Steiermark und Kärnten können so neu belebt und wirtschaftlich genutzt werden.
Damit diese Potenziale jedoch tatsächlich wirksam werden, braucht es mehr als moderne Verkehrswege. Entscheidend ist ein wirtschaftsfreundliches Umfeld, das unternehmerische Initiative ermöglicht und nicht verhindert.
Deregulierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Weniger bürokratische Hürden bedeuten mehr Raum für Innovation, schnellere Investitionsentscheidungen und eine höhere Standortattraktivität. Nur so kann Graz seine Rolle als dynamisches Zentrum im Süden Österreichs nachhaltig stärken.
Konkrete Ansatzpunkte liegen auf der Hand:
- Die konsequente Umsetzung des Prinzips „Beraten statt Bestrafen“ auch auf städtischer Ebene
- Eine Novellierung des Grazer Altstadterhaltungsgesetzes (GAEG) sowie der zugehörigen Bewilligungsrichtlinien
- Die Weiterentwicklung von Ämtern zu modernen Dienstleistern nach internationalen Best-Practice-Modellen
Eigenverantwortung ernst zu nehmen bedeutet, Unternehmen Vertrauen entgegenzubringen. Es bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Initiativen und eigenverantwortliches Handeln belohnen statt blockieren. Graz verfügt über engagierte Unternehmer:innen, hohe Innovationskraft und mit der Koralmbahn über eine neue, starke Verbindung in den Alpen-Adria-Raum und darüber hinaus. Jetzt braucht es den Mut, bürokratische Strukturen zu hinterfragen und wirtschaftliche Entwicklung aktiv zu ermöglichen.
„Die Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Was dafür gebraucht wird, sind klare Regeln, Vertrauen und eine Verwaltung, die unterstützt statt be- und verhindert.“
Claudia Kocher-Peschl
Unternehmerin in Graz/Steiermark und Kärnten

