Österreichs Hidden Champions
Das kleine Österreich kann auf eine erstaunlich große Zahl von mittelständischen Welt- und Europamarktführern verweisen. Diese meist familiengeführten Betriebe sind nicht nur international höchst erfolgreich, sie stellen durch ihre hohe regionale Wertschöpfung auch eine wichtige und weitgehend krisenfeste Säule der heimischen Wirtschaft dar.
Zuletzt aktualisiert am 05.01.2026, 13:18
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Während die betriebswirtschaftliche Forschung schon seit Jahrzehnten versucht, die Erfolgsgeheimnisse großer Unternehmen und bekannter Marken zu analysieren, wurden mittelständische Betriebe erst relativ spät als Forschungsobjekt entdeckt. Hermann Simon war in den 90er Jahren der Erste, der eine Untersuchung besonders erfolgreicher deutscher Mittelständler durchführte, die es in ihren Märkten und Nischen sogar bis an die Weltspitze schafften. Da die meisten dieser Betriebe in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind, prägte Simon für sie den Begriff der „Hidden Champions“.
In Österreich beschäftigt sich die Fachhochschule CAMPUS 02 seit dem Jahr 2007 mit der Erforschung der Erfolgsfaktoren und Strategien dieser wenig bekannten Vorzeige-Unternehmen. Dafür wurde vom Department Marketing & Sales nicht nur die umfangreichste Datenbank österreichischer Welt- und Europamarktführer aufgebaut, es werden auf Basis dieser Datenbank auch regelmäßig Befragungen der Führungskräfte österreichischer Hidden Champions zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten durchgeführt. Ziel des fortlaufenden Forschungsprojektes ist es einerseits, die Ursachen für den Markterfolg dieser österreichischen Leitbetriebe zu analysieren und andererseits, die Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse sowohl in die betriebliche Praxis als auch in die hochschulische Lehre zu transferieren.
Aktuell gibt es in Österreich 194 Hidden Champions, wobei mehr als 40 % in den Bundesländern Steiermark und Oberösterreich ihren Firmensitz haben. Diese mittelständischen Industriebetriebe sind fast ausschließlich im B2B-Bereich tätig und stammen v.a. aus den Branchen Maschinenbau, metallverarbeitende Industrie sowie aus der Elektronikindustrie.
Sie beschäftigen durchschnittlich rund 400 Mitarbeiter und erwirtschaften im Schnitt einen Jahresumsatz von 78 Mio. Euro. Sie investieren fast 10% des Umsatzes in F&E und positionieren sich auf ihren Märkten meist als Technologie- und Qualitätsführer. Diese Strategie ermöglicht es ihnen u.a., höhere Preise und bessere Renditen als ihre Mitbewerber zu realisieren. Da der Großteil der erwirtschafteten Gewinne im Unternehmen belassen wird, weisen die österreichischen Hidden Champions eine bemerkenswerte Eigenkapitalquote von rund 42 % auf. Diese finanzielle Reserve ist auch ein wesentlicher Grund, warum sich Österreichs mittelständische Welt- und Europamarktführer in den Krisen der letzten Jahre als weitgehend resilient erwiesen.
Darüber hinaus fällt auf, dass die Hidden Champions üblicherweise die Massenmärkte meiden und sich stattdessen auf Marktnischen konzentrieren. Fast zwei Drittel dieser Betriebe sind sog. „Born Global Companies“, da sie schon in den ersten Jahren ihres Bestehens den Schritt ins Ausland wagten.
Insgesamt beweisen diese mittelständischen Betriebe eindrucksvoll, dass man trotz begrenzter Ressourcen und auch wenn man aus einem Hochlohnland wie Österreich kommt, auf den internationalen Märkten großen Erfolg haben kann.

