Gastbeitrag

Breitbandausbau: Wie Glücksritter von nachhaltigen Betreibern unterschieden werden können

Der Ausbau von nachhaltigen Glasfaser- und 5G-Netzen ist eine zentrale Zukunftsfrage für Gemeinden. Dass hierbei auch auf die Qualität des Ausbaus geachtet werden muss, zeigt eine Betrachtung des Marktes.

Zuletzt aktualisiert am 26.01.2023, 13:22

3D-Visualisierung einer abstrakten Autobahnstrecke durch digitale Doppeltürme in einer Stadt. © stock.adobe.com/knssr

Gesellschaftliche, politische und kulturelle Partizipation hängen immer stärker vom Zugang zu Hochgeschwindigkeitsnetzen ab, weshalb dies auch eine demokratie- und sozialpolitische Frage ist. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Notwendigkeit einer funktionierenden und stabilen digitalen Infrastruktur als Garant für sämtliche digitalen Anwendungen wie z.B. Homeschooling oder Videokonferenzen.

Glasfaser bis in die Wohnung (Fiber to the Home – FTTH) und 5G Netze sind zentraler Bestandteil solcher Hochgeschwindigkeitsnetze und Basis einer nachhaltigen digitalen Infrastruktur. Wobei sich 5G und FTTH nicht ausschließen, sondern ergänzen. Nutzer wollen in Zukunft jede Anwendung sowohl stationär als auch mobil zur Verfügung haben und jede Technologie hat ihre Use Cases. Mit Blick auf die langfristig erwarteten Anforderungen hinsichtlich Datenrate, Latenz und Ausfallsicherheit sind beide Ausbauschritte wichtig.

Die 1,4 Milliarden Euro Fördermittel der BreitbandAustria 2030 haben eine Goldgräberstimmung am österreichischen Infrastrukturmarkt ausgelöst und locken vermehrt auch Betreiber aus dem In- und Ausland an, deren Interessenfokus nicht auf der Errichtung einer nachhaltigen Infrastruktur, sondern am schnellen Profit liegt.

Nachhaltigkeit strebt die dauerhafte Bedürfnisbefriedigung unter Gewährleistung natürlicher Regenerationsfähigkeit an. Sie betrifft Aspekte ökonomischer, ökologischer und sozialer Art.  „Nachhaltige Infrastrukturbetreiber“ fokussieren sich neben Klima-, Ressourcenschutz und Energiesparmaßnahmen auch auf langfristiges Denken und Handeln in sozialen Fragen, wie die Förderung von Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen.

Für Gemeinden ist es von besonderer Relevanz, einen Infrastrukturerrichter zu unterstützen, der sich für den Bau einer qualitativ hochwertigen und damit langfristig nutzbaren Infrastruktur einsetzt. Denn der erste, der baut, wird vermutlich der einzige bleiben, der auch weiter ausbaut. Die Gemeinden sind somit langfristig von einem Errichter abhängig, dessen Infrastruktur das Entwicklungspotenzial der Region maßgeblich beeinflusst.

Folgende Punkte geben einen Hinweis darauf, dass es sich um nachhaltig investierende Betreiber handelt, die an einem längerfristigen Betrieb des Netzes interessiert sind:

Ausbaukonzept

Ein nachhaltiges Konzept für die Errichtung einer digitalen Infrastruktur sollte vor allem Langlebigkeit und technologische Zukunftssicherheit sicherstellen, um eine möglichst lange Nutzbarkeit für Haushalte und Betriebe zu gewährleisten. Hinzu kommt die ökologische wie ökonomische Nutzung von Synergieeffekten im Zuge der Netzerrichtung.

So sollte das Ausbaugebiet mit dem Ziel auf Flächendeckung abgestimmt sein, die Nutzung von Synergiepotenzialen aus Infrastrukturprojekten der Gemeinden für eine Mitverlegung forciert werden und eine Abstimmung mit Mobilfunkbetreibern zur Glasfaseranbindung von Mobilfunkstandorten vorhanden sein.

Technische Ausführung

Die technische Ausführung sollte sicherstellen, dass die Infrastruktur den Anforderungen der Endnutzer entspricht. Sie muss gewährleisten, dass in den nächsten Jahrzehnten, ohne weitere baulichen Maßnahmen, die Kapazitäten für private wie gewerbliche Endnutzer vorhanden sind. Daher sollte das Glasfasernetz unbedingt als sogenanntes Point-to-Point (P2P) Netz errichtet werden.

Verlegung der Glasfaser

Es gibt vielfache Methoden, Telekommunikationsnetze zu errichten. Um die Langlebigkeit und die damit verbundene nachhaltige Nutzbarkeit der Infrastruktur sicherzustellen, muss auf eine zukunftssichere Errichtung bzw. Verlegemethode geachtet werden.

Hierbei sind gültige Richtlinien, Standards und Normen einzuhalten, um Sicherheit, sowohl für Betreiber als auch bei zukünftigen Grabungsarbeiten der Gemeinde, zu gewährleisten. Eine ausreichende Verlegetiefe (keine Luftkabel) garantiert einen ausfallsicheren Betrieb.

Ein nachhaltig agierender Errichter der Infrastruktur verpflichtet sich auch zur Wiederherstellung bzw. zum ordnungsgemäßen und qualitativen Schließen der durch ihn geöffneten Oberflächen.

Nutzungs-Aspekte

Zu bedenken sind die zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten der Glasfaserinfrastruktur und die potenziellen Folgen für Gemeinden. Zukünftige Kosten der Instandhaltung der Infrastruktur dürfen nicht auf die Gemeinde übertragen, sondern müssen über das Geschäftsmodel des Errichters finanziert werden, der auch die Wartung der passiven und aktiven Infrastruktur gewährleistet.

Die Vermarktung der Anschlüsse darf nicht in die alleinige Verantwortung der Gemeinde übertragen und so das Gelingen des Projektes auf die Schultern der öffentlichen Hand gehievt werden. Gleiches gilt für eine Vorvermarktung bzw. das Einholen von Vorverträgen, um die Take-Up-Rate zu bestimmen. Gemeinden werden ermuntert, hier zu unterstützen, sollten aber nicht das Risiko eines etwaigen Scheiterns übernehmen.

Abschließend ist festzuhalten, dass gerade im ländlichen, dünn besiedelten Raum eine gute und stabile Internetanbindung eine wichtige und nachhaltige Zukunftsvorsorge ist. Vor allem Betriebe und öffentliche Institutionen in diesen Gebieten sind auf eine solche Verbindung mit der Welt angewiesen.

Beim Ausbau von Glasfaser darf aber nicht vergessen werden, dass eine nachhaltige Betrachtungsweise sowohl der Infrastruktur als auch des Ausbauers von besonderer Bedeutung ist, um eine langfristige Nutzung zu gewährleisten.

Eine ausführliche Checkliste und weitere Informationen finden Sie unter www.vat.at

Der VAT ist ein einzigartiger Zusammenschluss von Fest-, Mobilfunknetzbetreibern und Infrastrukturgesellschaften und stellt eine starke Österreichische Breitband-Allianz dar mit dem Ziel den Glasfaserausbau in Österreich zum Wohle der EndkundInnen zu beschleunigen.