Gastbeitrag

Digital Innovation Hubs – die Kompetenzzentren für Digitalisierungsmaßnahmen in KMU

Der digitale Wandel ist Chance und Herausforderung für unsere Wirtschaft. Digital Innovation Hubs helfen KMU bei ihren Digitalisierungsmaßnahmen.

Zuletzt aktualisiert am 30.03.2022, 09:27

Serverraum mit blauen Streifen aus Licht stehen für Digitalisierungsmaßnahmen in Unternehmen. Copyright: flashmovie - stock.adobe.com

Südösterreich ist – wie alle Regionen Europas – mit einem immer rascher werdenden digitalen Wandel von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft konfrontiert. Durch die Corona-Pandemie wird sich dieser digitale Wandel weiter beschleunigen. Man wird in naher Zukunft teilweise disruptive Veränderungen erleben, vor allem in hochentwickelten Industrieregionen, wie es die Steiermark und Kärnten im europäischen Vergleich sind, und auch in Regionen, in denen weniger technologieintensive Bereiche, wie z. B. der Tourismus, eine überdurchschnittliche Rolle spielen. Die Digitalisierung birgt somit echte Herausforderungen für die Gesellschaft als Ganzes, jeden Einzelnen, für Unternehmen und im Speziellen für KMU und deren Digitalisierungsmaßnahmen.

Speziell das südösterreichische Ökosystem wird stark von den Wirtschaftszweigen des produzierenden Bereiches sowie von wissensintensiven Wirtschaftsdienstleistern geprägt. Die Steiermark und Kärnten zählen zu den am stärksten industrialisierten Bundesländern, Kernbereiche der Industrie umfassen dabei Metallerzeugung und Verarbeitung, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Mikroelektronik und Elektrotechnik. Im Burgenland und in Osttirol ist die Unternehmenslandschaft überwiegend von KMU in traditionellen Branchen gekennzeichnet.

Um digitale Technologien in den Unternehmensalltag zu integrieren oder das aktuelle Geschäftsmodell an geänderte Rahmenbedingungen anpassen zu können, ist umfassendes Wissen über den digitalen Wandel notwendig. Dies stellt insbesondere Klein- und Mittelbetriebe vor Herausforderungen. Mit den Digital Innovation Hubs (DIH) wird entsprechende Unterstützung zur Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen für KMU angeboten. Österreichweit gibt es aktuell sechs DIHs. Diese ermöglichen eine breite regionale Abdeckung und konkrete Unterstützungsleistungen vor Ort.

Im Süden Österreichs steht der Digital Innovation Hub Süd (DIH SÜD) als zentrale Anlaufstelle für Digitalisierungsfragen zur Verfügung.

Ziel des DIH SÜD ist die Entwicklung digitaler Produkte, Services und Geschäftsmodelle, die zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des Innovationsgrades beitragen. Zudem werden die Humanressourcen gestärkt und das Ökosystem ausgebaut.

Im Mittelpunkt steht ein Konsortium, dem die JOANNEUM RESEARCH, TU Graz, FH JOANNEUM, FH Kärnten, Alpen-Adria Universität Klagenfurt sowie die Kärntner Betriebsansiedelungs- und Beteiligungs GmbH (BABEG) angehören. Zusätzlich stehen zahlreiche Netzwerkpartner aus den beiden Bundesländern Steiermark und Kärnten sowie dem Burgenland und Osttirol mit ihrem Know-how zur Verfügung.

Gefördert wird der DIH SÜD von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) – Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) und die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung. Weiters wird der DIH SÜD durch die Landesregierungen der Bundesländer Kärnten und Steiermark unterstützt.

Die konkreten Aktivitäten reichen von Erstinformationen über Beratung und Qualifizierung bis hin zur Unterstützung bei konkreten Innovations- und Forschungsprojekten. KMU erhalten somit für ihre Digitalisierungsmaßnahmen über den DIH SÜD einfachen Zugang zu Know-how und vorhandener Infrastruktur der Partner.

Die Themenschwerpunkte des Kompetenznetzwerks umfassen folgende Bereiche:

Produktions- & Fertigungstechnologie

Unter Produktion wird die Herstellung von Gütern bezeichnet. Bei der Digitalisierung der Produktion (auch Industrie 4.0 genannt) geht es um die Vernetzung von Anlagen, den automatisierten Austausch von Informationen sowie die intelligente Selbststeuerung und Selbstoptimierung von Maschinen. Themenbereiche wie intelligente Sensorik, Automatisierungstechnologien, Mensch-Maschine-Kollaboration oder Additive Fertigung (3D-Druck) stehen im Mittelpunkt.

Data Science

Der verstärkte Einsatz von Sensorik und deren Vernetzung liefert eine neue Dimension von Datenmengen, die mit Data-Analytics-Methoden zu neuem Wissen und Erkenntnissen führen. Damit können wiederum Prozesse optimiert, Qualitätsparameter verbessert, der Energieverbrauch gesenkt werden. Die wesentlichen Themenbereiche beschäftigen sich mit den Phasen des typischen Data-Science-Prozesses und beinhalten Artificial-Intelligence- und Big-Data-Technologien.

Logistik

Logistik befasst sich mit der Planung, Steuerung, Optimierung und Durchführung von Güter-, Informations- und Personenströmen. Dazu zählen das Transportieren, Lagern, Umschichten, Kommissionieren, Sortieren, Verpacken und Verteilen von Gütern. Der Themenbereich beschäftigt sich mit der Analyse und Optimierung logistischer Komponenten, um die Funktionssicherheit zu steigern und den Bearbeitungsaufwand zu reduzieren. Auch die Erfassung und das Tracking von Objekten sowie die (Selbst-)Organisation spielen eine große Rolle.

Sicherheit

Die Digitalisierung bringt einen wachsenden Grad an Vernetzung von Geräten und elektronischen Komponenten. Damit wächst auch die Gefahr von Cyberattacken. Die Beschäftigung mit IT-Security ist daher eine unverzichtbare Voraussetzung. Neben allgemeiner Bewusstseinsbildung und Sicherheitsprüfungen sowie der Erprobung von Sicherheitskonzepten wird vor allem die konzeptionelle Berücksichtigung von Sicherheitsmaßnahmen bei der Gestaltung neuer Produkte und Dienstleistungen (Security by Design) in den Vordergrund gestellt.

Digitale Geschäftsmodelle & -prozesse

Die Digitalisierung hat für neue Informations-, Kommunikations- und Vertriebskanäle gesorgt und den Zugang zu Kunden sowie ihr Kaufverhalten verändert. Bestehende Geschäftsmodelle müssen angepasst oder komplett neu entwickelt werden. Es werden sowohl Methoden zur Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle als auch konkrete Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung vorgestellt. Von Bedeutung sind aber auch die Digitalisierung bestehender Geschäftsprozesse sowie das Innovationsmanagement.

Humanressourcen & Nachwuchs

Das Potenzial von Nachwuchskräften zu erkennen und zu fördern ist ein zentraler Teil des Unternehmenserfolgs. Größere Unternehmen haben meist eine*n speziellen Personalentwickler*in in der Abteilung Human Resources für diese Aufgabe. Für kleine und mittlere Unternehmen sind die Herausforderungen durch den technischen Fortschritt und die Digitalisierung oft größer, jedoch fehlt es hier an dieser Kompetenz.

Stefan Schafranek führt aus: „Die inhaltlichen Themenschwerpunkte, die im Rahmen des DIH SÜD gesetzt werden, werden entsprechend dem Bedarf in der Region gemeinsam in enger Abstimmung mit den Kernakteuren entwickelt und in strategischen Zieldimensionen durchgeführt“. Diese sind auch auf die jeweiligen Wirtschaftsstrategien der beteiligten Länder abgestimmt, die von den Partnern im DIH SÜD bestens bedient werden. Schafranek fügt hinzu, dass „die Maßnahmen und Aktivitäten in den thematischen Schwerpunkten dazu beitragen müssen, den digitalen Wandel in KMU proaktiv vorantreiben“.  

Laut Erfahrung von Martina Eckerstorfer besteht die größte Herausforderung für KMU darin, das Tagesgeschäft mit notwendigen Innovationen in Einklang zu bringen. „Oft fehlen die Ressourcen und das Know-how für die konkrete Projektentwicklung“, betont Frau Eckerstorfer. Genau hier setzt der DIH SÜD an. Das Partnernetzwerk begleitet das KMU über den gesamten Entwicklungsprozess der Digitalisierungsmaßnahmen, von der Erstinformation über unterschiedliche Qualifizierungsprogramme bis hin zur konkreten Projektumsetzung. 

Dazu ein konkretes Beispiel:

Ein KMU produziert in kleinen Losgrößen Werkzeuge und überlegt, ob es in einen 3D-Drucker für individuelle Spritzgussformen investieren soll. Mit dem DIH SÜD hat das Unternehmen die Möglichkeit, bei einem Partner vor Ort einen 3D-Drucker zu testen. Dadurch erkennt das Unternehmen, dass es die Effizienz steigern, die Kosten und das Risiko minimieren kann. Zudem können gemeinsam mit der Forschungseinrichtung zusätzliche Anwendungsgebiete identifiziert werden. Das KMU kann dadurch sein Produktportfolio erweitern und die Investition hat sich in kurzer Zeit amortisiert. 

Bei Fragen wenden Sie sich direkt bei den Ansprechpartner*innen vor Ort.
Geschäftsführung an den beiden Standorten in Graz und Klagenfurt:

Mag. Stefan Schafranek, Graz

Martina Eckerstorfer, Klagenfurt

Die gesamte Übersicht über die Aktivitäten des DIH SÜD finden Sie auf der Webseite www.dihsued.at.

Wir begleiten Sie in Ihre digitale Zukunft! Nutzen Sie die kostenlosen Möglichkeiten des DIH SÜD!